Immer eine spannende Sache für mich: eine Minibusfahrt. Am Samstag fuhr mich mein Teamleiter Michael Volz zum Busbahnhof in Zomba. Ich habe kurz gespäht, ob in Kürze einer losfährt, denn die fahren nur, wenn sie voll sind. Der Minibus mit der Route in die gewünschte Richtung stand da und wie bestellt: ein Platz war noch frei.
Der Kunde bzw. die Kundin ist König und ich werde gleich vom Kassierer zum Auto begleitet, um mein Gepäck zu holen. Alleine hätte ich schwer zu tragen. Umso dankbarer bin ich über die zuvorkommende Art des Malawiers. Ich setze mich, er klappt den letzten Sitz runter und setzt sich auch, meinen schweren Rucksack auf dem Schoß! Es macht ihm offensichtlich nichts aus. Der Bus setzt sich mit lautem Motor langsam in Bewegung. Hauptsache, ich sitze! Die Karosserie mit dem abgeblätterten Lack im Innern, die wacklige erste Sitzreihe, das reingestopfte Gepäck (da hat wohl jemand einen ein Meter langen Sack Plastikteller gekauft, um sie weiter zu verkaufen), sind für mich immer wieder ein Grund zum Schmunzeln und Wohlfühlen.
Nach einer Stunde Fahrt sind wir 50 km weit gekommen und erreichen Liwonde. Viele steigen aus, wir warten also, bis sich der Bus wieder füllt, denn bei den derzeitigen Benzinpreisen geht es schon gar nicht, dass der Bus nur zu 80% besetzt los fährt …
Während wir warten, kommen an mein Fenster verschiedene Händler: es gibt gekochte Eier – Salz gibt es natürlich dazu – Halsketten,
jemand anders hält drei Flaschen in der Hand: Cola, Fanta und eine Pineapple Fanta. Andere wollen mir Samoosa (frittierte Teigtaschen) verkaufen, wieder andere eine Art Berliner. Ein paar Jungs versuchen ein paar Kwacha zu verdienen, indem sie kleine durchsichtige Plastiktütchen mit abgefülltem Trinkwasser verkaufen. Ich kaufe nichts, habe mein eigenes Trinkwasser dabei. über einen „fliegenden Händler“ lasse ich den Apfelverkäufer herbei rufen. Der kommt nicht. Dieses Mal gibt es anscheinend keine Äpfel.
Mittlerweile ist ein Mitfahrer eingestiegen, der ein großes Fernsehgerät auf den Schoß nimmt! Unglaublich, was hier alles transportiert wird! Der Bus hat sich nach 45 Minuten komplett gefüllt, wir fahren weiter. Nach insgesamt dreieinhalb Stunden Fahrt und 120 km kommen wir in Nselema an. Dort nimmt mich mein Kollege Joachim Berger in Empfang. Da der junge Mann mit dem Fernseher in unserer Nähe wohnt, nehmen wir ihn mit. Er hätte sonst mit seinem Gerät auf ein Fahrradtaxi steigen müssen, und das bei Regen! Eine alte Oma und ihre vermutlich jüngere Verwandte sind dankbar, auch mitfahren zu können. Als wir die beiden nach fünf Minuten Fahrt aussteigen lassen, werden sie schon erwartet. Ach, wir sind die Weißen von Chisomo! Man kennt uns also. Und ich freue mich, dass das wieder Mal zum guten Ruf unseres Ausbildungszentrums beiträgt!